Bei BeLa Vorpommern hat sich in den letzten Wochen viel bewegt: Der Hauptsitz der Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt ist jetzt offiziell in Grimmen, dazu kommt ein weiteres Beratungsbüro in Demmin. Und Stralsund bleibt als Beratungsort weiterhin bestehen. Damit ist BeLa Vorpommern jetzt an drei Standorten präsent und für Betroffene in der Region deutlich besser erreichbar. Auch personell ist BeLa Vorpommern gewachsen: Mit einer zweiten Beraterin kann das Angebot nun breiter aufgestellt werden.
M-V verfügt über ein gutes spezialisiertes Hilfenetz für Betroffene von häuslicher Gewalt. Jedoch gerade in den ländlichen Regionen bestehen immer noch erhebliche Versorgungslücken. Statistiken von Polizei und Hilfenetz zeigen ein Stadt-Land-Gefälle: Während die Mehrheit der Bevölkerung ländlich lebt, werden die meisten Fälle häuslicher Gewalt in den Oberzentren bekannt. Da aber davon auszugehen ist, dass häusliche Gewalt im ländlichen Raum ebenso häufig vorkommt wie in urbanen Gebieten, bleibt die Dunkelziffer hoch. Soziale Isolation, Angst und fehlende Ressourcen verhindern oft den Zugang zu Hilfe. Deshalb sind die neuen Beratungsorte in Grimmen und Demmin ein wichtiger Schritt, um wohnortnah Beratung anzubieten.
„Angebot schafft Nachfrage“, sagt Anja Wieland, Beraterin bei BeLa Vorpommern. Schon lange sei es Thema gewesen, den ländlichen Raum stärker in den Blick zu nehmen. Viele Betroffene erleben im Alltag, dass lange Wege und fehlende Anlaufstellen eine zusätzliche Belastung sind.
Die neuen Räume in Grimmen sind hell und ruhig. Große Fenster, hohe Decken, viel Licht. Der Bahnhof liegt direkt vor der Tür, auch Parkmöglichkeiten gibt es in der Nähe. Noch ist nicht alles fertig. Hier fehlt noch Stauraum, dort eine Pflanze, anderswo ein Bild an der Wand. Und manches fällt erst im Alltag auf. „Gestern habe ich dann wieder gedacht: Mist, ich habe noch gar keine Taschentücher hier stehen. Beratungsarbeit ist auch oft mit Tränen verbunden.“
Auch in Demmin ist ein neuer, wichtiger Anlaufpunkt entstanden. Die Beratungsstelle befindet sich im Ambulanten Zentrum des Kreiskrankenhauses – einerseits gut zu finden und andererseits ermöglicht die Lage Betroffenen einen anonymen Zugang. Nun gilt es, das Angebot bekannter zu machen und uns vor Ort mit anderen zu vernetzen.
Denn ein belastbares Netzwerk ist essenziell für den Erfolg von BeLa. Im ländlichen Raum sind Vertrauenspersonen oft erste Ansprechpartner*innen für Betroffene, wie z.B. Freund*innen und Fachkräfte aus Gesundheit, Sozialwesen oder Behörden. Ihre erste Reaktion kann entscheidend dafür sein, ob Betroffene Hilfe suchen oder schweigen. Daher sind Aufklärung, Vernetzung und regelmäßiger Austausch enorm wichtig.
Ein großes, dickes DANKESCHÖN an dieser Stelle an die vielen Menschen, die uns bei der Herrichtung der Räume unterstützt haben, insbesondere an unser Ehrenamtsteam. Hier wurde auch noch abends und am Wochenende getragen, geschraubt, gebohrt – einfach STARK.

