Anlässlich des Internationalen Kindertages haben die Mitarbeiter*innen der Frauenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern gestern vor dem Schweriner Schloss gemeinsam ein deutliches Zeichen gesetzt. Unter dem Motto „Kinder als Betroffene von häuslicher Gewalt! Sichere Orte brauchen starke Begleitung – Fachkraft für Kinder und Jugendliche JETZT!“ machten sie auf eine Versorgungslücke aufmerksam, die seit Jahren besteht: In den Frauenhäusern fehlen verbindlich finanzierte Fachkräfte für die Begleitung von Kindern und Jugendlichen.

Fast alle Mitarbeiter*innen der neun Frauenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern waren vor Ort, um gemeinsam für bessere Unterstützung von Kindern einzutreten, die häusliche Gewalt erlebt haben.

Kinder sind nicht nur mitbetroffen – sie sind selbst betroffen

Frauenhäuser sind Schutzorte für Frauen* und ihre Kinder. Doch Kinder, die häusliche Gewalt miterleben, sind nicht lediglich Zeug*innen der Gewalt. Sie erleben Angst, Unsicherheit und Kontrollverlust unmittelbar mit und tragen oft noch lange die Folgen dieser Erfahrungen.

Im Jahr 2025 fanden in den Frauenhäusern Mecklenburg-Vorpommerns 228 Frauen und 254 Kinder Schutz. Damit leben in den Frauenhäusern unseres Bundeslandes sogar mehr Kinder als Frauen.

Trotzdem gibt es bislang keine verbindliche Finanzierung einer Kinder- und Jugendfachkraft in jedem Frauenhaus.

Dabei brauchen Kinder eigene Unterstützung. Sie benötigen altersgerechte Gespräche, Stabilität, Schutz und Förderung. Viele von ihnen müssen traumatische Erfahrungen verarbeiten. Gleichzeitig unterstützen Kinderfachkräfte die Mütter, begleiten den Kontakt zu Schulen, Kitas und Behörden und sorgen dafür, dass die Bedürfnisse der Kinder nicht übersehen werden.

Starke Worte für starke Kinder

In ihren Begrüßungsworten betonte Liane Dommer, Leiterin des Frauenhauses Schwerin, dass Kinder von schutzsuchenden Frauen eigenständige Betroffene häuslicher Gewalt sind und deshalb eigene Beratung und Begleitung benötigen.

Unterstützung erhielt die Aktion auch von Monique Tannhäuser, Landesgleichstellungsbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns. Sie dankte den Mitarbeiter*innen für ihren Einsatz und positionierte sich deutlich für die Belange der Frauenhäuser und der dort lebenden Kinder. Auch Susanne Sträßner vom Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern stärkte den Teilnehmer*innen den Rücken und machte deutlich, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für die Arbeit in den Frauenhäusern sind.

Unsere Forderung

Kinder, die häusliche Gewalt erlebt haben, brauchen mehr als einen sicheren Schlafplatz. Sie brauchen Menschen, die Zeit haben, ihnen zuzuhören, sie zu stärken und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Deshalb fordert die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser Mecklenburg-Vorpommern die verbindliche Finanzierung einer Kinder- und Jugendfachkraft in jedem Frauenhaus des Landes.

Kinder haben ein Recht auf Schutz, Unterstützung und Förderung. Dieses Recht darf nicht vom Wohnort oder von der finanziellen Situation eines Frauenhauses abhängen.

Wir hoffen, dass diese Forderung bei den anstehenden politischen Entscheidungen zur Umsetzung des Gewalthilfegesetzes in Mecklenburg-Vorpommern Gehör findet.